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Mit Einsamkeit umgehen lernen

Stell dir folgende Geschichte vor: Sophie hat viele Bekanntschaften und Freunde. Wenn sie von der Schule nach Hause kommt, legt sie sich mit ihrem Handy auf die Couch und geht auf Instagram oder Whatsapp. Sie liebt es mit ihren Freunden in Kontakt zu sein. Doch manchmal merkt sie, dass es ihr richtig schwer fällt, ihr Handy beiseite zu legen. Sie kann einfach nicht anders, als drauf zu schauen und irgendwo rum zu scrollen. Was sich so gut anfühlt, ist für sie manchmal ganz schön komisch. Sie fühlt sich einsam, obwohl sie mit vielen Menschen in Kontakt ist und oft, wenn ihr Handy keinen Akku mehr hat, wird sie nervös. Sie hat nicht gelernt mit ihrer Einsamkeit umzugehen. Dann kommen Fragen hoch, die sie sonst lieber von sich schiebt.

Was soll sie nun ohne Handy tun? Was denken ihre Freunde, wenn sie nicht gleich antwortet?

Es gibt einen Unterschied zwischen Einsamkeit und Allein-sein

Allein zu sein heisst nicht automatisch einsam zu sein. Es bedeutet, dass du mit dir selbst in Momenten, in denen niemand um dich herum ist, zufrieden und glücklich bist. Du weisst mit dir selbst etwas anzufangen und brauchst keine andere Person, um dich glücklich(er) zu machen. Wer mit sich selbst allein sein kann, der findet Ruhe bei sich. 

Einsamkeit hingegen ist mit einer Art Trauer verbunden – die Trauer, dass gerade niemand da ist, dem man sich mitteilen kann oder von dem man eine Resonanz bekommt. Man wünscht sich einen Gegenüber, mit dem man sich austauschen kann. 

Sophie fällt es eher schwer allein zu sein, da sie das Allein sein nicht als Bereicherung sehen kann, sondern sich in den Momenten eher einsam fühlt. Allein zu sein bedeutet nicht, gleichzeitig auch einsam zu sein. Im Allein sein können wir runter fahren, die äußeren Stimmen ausschalten und zu uns selbst und zu Gott finden. Es kann eine starke Kraftquelle und Stärkung für dein Leben sein, wenn du gelernt hast, sie als deinen Freund zu sehen, anstatt als deinen Feind.

Kannst du mit dir selbst alleine sein?

…oder bist du leicht überfordert, wenn du einen Abend nicht verplant bist, dein Handy aus ist und niemand um dich herum ist? Der Drang ständig mit jemandem zusammen sein zu müssen, kann uns ganz schön abhängig machen. Wer sind wir, wenn niemand da ist? Wenn die Einsamkeit uns einreden möchte, dass wir wertlos und ungeliebt sind?

Es gibt eine Person, die überall mit dir hin geht. Sie ist da, wenn du aufwachst, wenn du schlafen gehst, wenn du lernst, wenn du lachst und wenn du weinst. Diese Person bist du selbst. Du bist dir selbst am Nächsten, deshalb lohnt es sich, sich mit dieser Person gut zu verstehen. Lerne dir selbst eine gute Freundin zu sein, für dich zu sorgen und mit dir selbst eine schöne Zeit verbringen zu können. Lerne mit dir selbst allein sein zu können!

Wenn ich mich mit meiner besten Freundin treffe, frage ich nach, wie es ihr geht. Ich interessiere mich für sie, ihre Interessen, ihre derzeitige Situation, ihre Umstände, die Dinge mit denen sie zu kämpfen hat oder die ihr Freude bereiten. Wenn sie traurig ist, versuche ich sie zu trösten und aufzuheitern und wenn sie sich über eine Sache freut, freue ich mich mit ihr. Ich kann mit ihr lachen und weinen. Ich ermutige sie in den Bereichen, in denen ihr die Hoffnung fehlt und spreche ihr Mut zu, wenn sie mutlos ist. 

Wie gehst du mit dir selbst um?

Oft merke ich, dass ich viel härter mit mir selbst bin, als ich jemals zu einer Freundin wäre. Ich achte nicht auf meine Bedürfnisse von genug Schlaf, dem richtigen Essen oder einer guten Gebetszeit, sondern treibe mich selbst an, mache mir Vorwürfe, wenn ich etwas falsch gemacht habe oder stecke Erfolge mit den Worten „ja das war auch Zeit“ weg.

„Erkennt ihr denn nicht, dass ihr der Tempel Gottes seid und dass der Geist Gottes in euch wohnt?“ 1. Korinther 3,16

Nicht nur dein Körper, sondern dein ganzes Sein ist der Tempel des Heiligen Geistes. Gott wohnt in dir. Er hat in dir Einzug genommen, weil du sein geliebtes Kind bist. Allein deswegen hat die Einsamkeit keine Kraft – der Heilige Geist wohnt in dir!

Lerne dir selbst eine gute Freundin zu sein

Fangen wir an, uns selbst gute Freundinnen zu sein und für unseren Tempel zu sorgen. Fangen wir an, uns zu ermutigen, wo wir Ermutigung brauchen, auf unsere natürlichen Bedürfnisse zu achten und für uns zu sorgen, wie wir selbstverständlich auch für unsere Freunde sorgen würden. Nehmen wir unsere Gefühle wahr und sorgen wir für uns.

Sich selbst eine gute Freundin zu sein bedeutet nicht, sich nur um sich selbst zu drehen und dies als Freischein zu nehmen, von einer Gönnung zur Nächsten zu springen, weil man das Bedürfnis nach Komfort und Sicherheit befriedigen möchte. Nimm dich selbst als gute Freundin an die Hand und lerne mit Einsamkeit umzugehen.

Es bedeutet viel mehr, auf sich zu schauen, seine Bedürfnisse ernst zu nehmen und für sich zu sorgen. Damit man stark in sich selbst stehen kann, seine Stärken und Talente der Welt anbieten kann und in den Momente in denen es hart wird, nicht zusammen bricht, sondern weiss, was der nächste Schritt ist. Es bedeutet sich mit Gott, Anderen und sich selbst wieder gut aus einer schwierigen Situation heraus zu manövrieren. In Momenten in denen man sich eine gute Freundin ist, wird die Einsamkeit nicht zum dunklen Loch, sondern zur Kraftquelle und zum Ort, an dem ich Gott begegne.

Lerne mit dir selbst gerne zusammen zu sein! Lerne dir selbst genug zu sein und mit dir selbst Zeit verbringen zu können und diese auch noch zu geniessen. Du wirst neues Selbstbewusstsein schöpfen, weil du weisst, wer du bist und weil du weisst, was Gott in dich hinein gelegt hat und wer du für ihn bist. 

In welchen Bereichen warst du dir schon eine gute Freundin?

Wo darfst du dir selbst eine bessere Freundin sein?

Mir persönlich fiel es sehr schwer mir selbst meine beste Freundin zu sein. Gegen Einsamkeit anzukämpfen war ein harter Kampf für mich, der noch heute andauert. Doch er ist es wert. Selbst stehen zu können, nicht sofort emotional zu schwanken, wenn mal niemand um einen herum ist, ist eine unendlich wertvolle Tugend. So habe ich in kleinen Schritten immer mehr gelernt gut mit mir selber zu sein – und siehe da – es fällt mir sogar leichter auch gut mit anderen zu sein.

Du schaffst das!

Deine,

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